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KI im Recruiting – Chance oder Job-Killer?

KI im Recruiting – Chance oder Job-Killer?
Ich möchte hier bewusst keinen weiteren Fachartikel darüber schreiben, wie künstliche Intelligenz das Recruiting verändert. Davon gibt es inzwischen mehr als genug.
Stattdessen möchte ich Ihnen einen ehrlichen Einblick in meinen Arbeitsalltag als Personalberaterin geben.
Zunächst einmal bin ich grundsätzlich ein sehr technikbegeisterter Mensch und offen für neue Technologien. Deshalb beschäftige ich mich gerne mit neuen Entwicklungen und probiere vieles selbst aus.
Zu den ersten Impulsen gehörte damals tatsächlich auch meine Mutter. Sie hatte einen Beitrag über ChatGPT gehört und sagte zu mir:
„Da kommt etwas Großes. Schau dir das mal an.“
Das habe ich getan.
Seit den ersten Tagen nutze ich ChatGPT regelmäßig und habe mich im Laufe der Zeit auch mit weiteren KI-gestützten Anwendungen beschäftigt. Dabei habe ich schnell festgestellt, dass man eine Technologie erst verstehen muss, bevor man sie sinnvoll einsetzen kann. Wer nur gelegentlich ein paar Fragen eingibt, wird die Möglichkeiten kaum ausschöpfen können.
Von Anfang an hat mich beeindruckt, wie schnell und vielseitig solche Systeme arbeiten können.
Wie nutze ich KI im Recruiting?
Die eigentliche Frage lautet für mich nicht, ob KI im Recruiting eingesetzt werden sollte, sondern an welchen Stellen sie sinnvoll unterstützt.
In meinem Arbeitsalltag nutze ich KI beispielsweise bei der Erstellung von Suchstrings für LinkedIn Recruiter oder Xing Talentmanager. Oft lasse ich mir zusätzliche Suchansätze, alternative Positionsbezeichnungen oder Synonyme liefern. Meine eigenen Erfahrungen und Suchstrategien ersetzen diese Tools nicht – sie ergänzen sie.
Auch bei Formulierungen unterstützt mich KI regelmäßig. Sei es bei Stellenanzeigen, Kandidatenansprachen oder beim Korrekturlesen von Texten. Gerade hier spart sie Zeit und hilft dabei, verschiedene Formulierungsansätze schnell gegenüberzustellen.
Darüber hinaus nutze ich KI für Textanalysen oder als zusätzliche Unterstützung bei der Einordnung fachlicher Profile. Wenn ich beispielsweise in einem sehr spezialisierten Umfeld suche und ein Lebenslauf viele technische Begriffe enthält, kann mir die KI helfen, Zusammenhänge schneller zu verstehen oder Themen einzuordnen.
All das spart Zeit.
Zeit, die mir an anderer Stelle für das Wesentliche zur Verfügung steht: die eigentliche Suche, die Direktansprache und die Gespräche mit Menschen.
Was KI nicht kann
So hilfreich KI auch ist – sie ersetzt meinen Beruf nicht.
Meine Suchaufträge sind in der Regel sehr individuell. Jede Position hat ihre Besonderheiten. Jedes Unternehmen hat eine eigene Kultur. Jede Führungskraft hat andere Erwartungen an die zukünftige Zusammenarbeit.
Diese Informationen stehen selten vollständig in einer Stellenbeschreibung.
Sie entstehen im Gespräch.
Deshalb kann ich auch keine Standardsuche starten und darauf vertrauen, dass die richtigen Kandidaten automatisch gefunden werden. Ich schaue mir Profile weiterhin einzeln an, prüfe Wechselmotive, bewerte berufliche Entwicklungen und führe persönliche Gespräche.
Noch wichtiger: KI kann keine Beziehung aufbauen.
Sie kann keine Vertrauensbasis schaffen, keine Unsicherheiten erkennen und keine Zwischentöne wahrnehmen. Sie kann weder die Motivation eines Kandidaten einschätzen noch beurteilen, ob die Chemie zwischen Unternehmen und Bewerber wirklich passen wird.
Genau hier beginnt der menschliche Teil meiner Arbeit.
Mein Fazit
Für mich ist KI weder Job-Killer noch Wundermittel.
Sie ist ein Werkzeug.
Ein sehr leistungsfähiges Werkzeug, das mir täglich Arbeit abnimmt und Prozesse beschleunigt.
Der entscheidende Punkt ist jedoch: Die Technologie sollte den Menschen nicht ersetzen, sondern ihn entlasten.
KI kann analysieren, strukturieren, recherchieren und unterstützen. Die Auswahl geeigneter Kandidaten, die Bewertung von Persönlichkeiten und der Aufbau von Beziehungen bleiben aus meiner Sicht auch künftig Aufgaben, die Menschen übernehmen sollten.
Oder anders formuliert:
KI hilft mir dabei, schneller zu arbeiten. Die Entscheidung, welcher Mensch zu welchem Unternehmen passt, treffe ich weiterhin selbst.